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Adventsfeier im Titthof, Chur

Der Saal war am 7. Dezember wieder voll und die Adventsgäste in guter Stimmung. Präsident Guido Kaufmann kam in seiner Eröffnungsrede auf die zurzeit kritische Weltlage zu sprechen: Schuldenkrise, Naturkatastrophen, Fukushima, Arbeitslosigkeit, korrupte Behörden lassen viele Zeitgenossen keine Perspektive sehen. Glücklicherweise ist aber unser Land in einer besseren Situation dank eines guten sozialen Zusammenhalts und vieler Freiwilligenarbeit. Vielen guten sozialen Institutionen gelingt es, in Not geratenen Mitbürgern in schwierigen Situationen zu helfen, dies auch dort, wo staatliche Einrichtungen keinen Beistand leisten können. Aus diesen Überlegungen liess Guido Kaufmann seine eindrückliche Rede ausmünden in einen mit den Vorstandsmitgliedern zuvor besprochenen Kollektenaufruf für Pro Senectute, womit sehr armen Betagten geholfen werden soll und für Pro Infirmis für ein Ferienlager für Behinderte. Die Kollekte ergab das erfreuliche Ergebnis von rund 900 Franken.

Pfarrer Jost Keller hielt nicht eine Festpredigt, sondern erzählte anekdotenartig über seine Erfahrungen "30 Jahre Pfarrer in Graubünden". Er stellte das Ganze unter das Thema "Grenzüberschreitungen von der Wirklichkeit zur Fantasie". Da war von heimlich verschobenen Grenzsteinen die Rede, von sonderbaren Haus- und Zaubermittelchen schmerzgeplagter alter Bauern, von unerwartet aufgetauchten Grabknochen früher Verstorbener, von einem Hobbybauer, der aus lauter Mitgefühl und Tierliebe seinen Kühen einen Arm mehr Heu verabreichte oder von besonders tapferen - auch wieder gewisse Grenzen überspringenden - Bräuten. Er wusste die Zuhörerschaft mit Humor und zugleich Tiefsinn zu fesseln.

Kulturell war der Nachmittag auch dem Gesang gewidmet. Die rund 200 Adventsgäste sangen mit erstaunlichem Wohlklang verschiedene Weihnachtslieder, begleitet am Klavier vom Vorstandsmitglied Hanskaspar Zollinger. Musikalischer Höhepunkt war der Seniorenchor Chur unter der Leitung von Willy Müller. Der Chor besteht aus etwa 45 Frauen und Männern. Wenn man mit offenen Augen auf die Singenden schaute, sah man, dass Ältere musizierten. Schloss man aber die Augen, hörte man deutlich jüngere Menschen singen. Der Chor klang rein. Hervorzuheben ist Anita Gronds solistische Gesangeskunst, die besonders zum Tragen kam. Und noch einmal ein Stück Kultur: Vorstandsmitglied Antonella Kohler, die auch für die prächtige Dekoration verantwortlich war, las eine Weihnachtsgeschichte vor. Für das reichlich aufgetragene leibliche Wohl sorgte Vorstandsmitglied Dölf Bachmann. Alles in allem: Man traf sich, man unterhielt sich, man freute sich.

Hans Domenig, Redaktor