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Glückliches- oder unglückliches Alter?

Zu diesem Thema berichtet Frank Schirrmacher in seinem Buch „Das Methusalem-Komplott“ von einer in den USA 1975 begonnen Langzeitstudie. Innert 20 Jahren wurden die Probanden sechsmal befragt, wie sie über das Altern und ihr persönliches Altsein denken. Dabei kam heraus, (wir zitieren die Forscher) „dass diejenigen, die das Alter für eine erfüllte Phase ihres Lebens ansahen und über ältere Menschen positiv dachten, im Schnitt siebeneinhalb Jahre länger lebten als diejenigen, die vom Alter nichts erwarteten.“ Dieser Unterschied blieb auch bestehen, wenn die Wissenschaftler den wirtschaftlichen und sozialen Stand und auch das Geschlecht oder die Gesundheit der Befragten mit berücksichtigten. Sie schlossen daraus: „Der Einfluss eines positiven Selbstbildes und eines positiven Bildes des Alterns für die Überlebensrate des Menschen ist grösser als die Auswirkungen von Blutdruck oder hohem Cholesterin, die eine Lebensverkürzung von vier Jahren oder weniger bewirken.“

Wenn auch weniger Wissenschaftsgläubige an solch genauen Zahlen Zweifel anmelden mögen, so kann man doch beobachten, dass eine positive Einstellung zu den späten Lebensjahren der Gesundheit förderlich sein kann. Dabei spielt es weniger eine Rolle, ob man sein Alter voll geniessend und z.B. reisend verbringen will, oder ob man sich lieber neue oder alte Arbeitsaufgaben setzt und diese zur Zufriedenheit zu erfüllen vermag. Wichtig ist, dass man sich Ziele setzt und zwar Ziele, die der eigenen Person angemessen sind. Man muss also nicht unbedingt der Methusalem sein, der täglich eisern seine Fitness pflegt, um nochmals höchstbetagt den Kilimandscharo zu besteigen oder die „Methusalema“, die auch noch mit 80 den Engadiner Volkslanglauf hinter sich bringen will.

Im lesenswerten „Methusalem Komplott“ geht es unter anderem darum, dass wir Senioren uns nicht entmündigen lassen. In einer Zeit der modischen Jugendverherrlichung und des Jugendwahns werden wir aufgerufen, auf die Werte, die uns älteren Menschen wichtig sind, zu pochen: Geduld, Dauerhaftigkeit, Erfahrung. Nicht das schnelle Geld, sondern anhaltende Werte sind erstrebenswert. Und selbst wenn irgendeine Gebrechlichkeit in uns auftaucht, heisst das noch lange nicht, dass wir uns als fünfte Wagenräder der Gesellschaft fühlen müssen. Beschaulichkeit, Pflege der Naturliebe, Kulturförderung, Religion, Gestaltungsfreude sind Werte, die eine Gesellschaft unbedingt braucht - will sie nicht vor lauter Übertüchtigkeit noch mehr aus den Fugen geraten, als sie jetzt schon geraten ist.
Hans Domenig